Hepatitis D

 

Die Hepatitis D wird durch das Hepatitis-D-Virus (HDV) ausgelöst, ein inkomplettes RNA-Virus (Virusoid). Es ist auf die Hüllproteine des Hepatitis-B-Virus (HBV) angewiesen, eine Infektion mit HDV ist daher nur bei gleichzeitigem Vorliegen einer Hepatitis-B-Infektion möglich. Zwar ist eine Hepatitis D eher selten, es können aber –  je nach Infektionsmodus – schwere chronische Verläufe entstehen.

Die Hepatitis D wird durch das Hepatitis-D-Virus (HDV) ausgelöst, ein inkomplettes RNA-Virus (Virusoid). Es ist auf die Hüllproteine des Hepatitis-B-Virus (HBV) angewiesen, eine Infektion mit HDV ist daher nur bei gleichzeitigem Vorliegen einer Hepatitis-B-Infektion möglich. Zwar ist eine Hepatitis D eher selten, es können aber –  je nach Infektionsmodus – schwere chronische Verläufe entstehen.

Infektionsart und Verlaufsformen

 

Die Inkubationszeit einer Hepatitis-D-Virusinfektion liegt zwischen drei und sieben Wochen, kann aber auch bis zu sechs Monate dauern.46 Je nach Infektionsmodus kann eine Hepatitis-D-Virus unterschiedlich verlaufen. Eine Simultaninfektion, also die gleichzeitige Infektion mit HBV und HDV, heilt in den meisten Fällen aus.47 Die Superinfektion – also die zusätzliche Infektion mit HDV bei bestehender HBV-Infektion – nimmt bei etwa 90 Prozent der Betroffenen einen chronischen Verlauf und erhöht das Risiko für schwere Krankheitsfolgen gegenüber der alleinigen chronischen Hepatitis B.46 Das relative Risiko, ein hepatozelluläres Karzinom zu entwickeln, liegt bei gleichzeitiger Hepatitis-B- und -D-Virusinfektion bei 1,3.15 Die 5-Jahres-Mortalität weist bei einer Koinfektion mit dem Hepatitis-D-Virus ca. eine Verdoppelung auf.15 Rund 18 Prozent aller Leberzirrhosen und 20 Prozent aller Leberzellkarzinome von mit dem Hepatitis-B-Virus infizierten Personen sind auf eine Koinfektion mit HDV zurückzuführen.48

Epidemiologie

 

Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind weltweit mehr als zwölf Millionen Menschen mit dem Hepatitis-D-Virus infiziert.48 In bestimmten Endemiegebieten wie der Mongolei, der Republik Moldau sowie in Ländern West- und Zentralafrikas liegen Hepatitis B und D gleichzeitig gehäuft vor.48 Deutschland gehört zu den Ländern mit niedriger Prävalenz. Rund 5 bis 10 Prozent der Hepatitis-B-Patienten sind hier gleichzeitig mit HDV infiziert.7 Das bedeutet: in Deutschland leben möglicherweise bis zu 25.000 Menschen mit Hepatitis D. Im Jahr 2020 wurden dem RKI allerdings lediglich 41 HDV-Infektionen übermittelt.48

Übertragungswege und Risikogruppen

 

Das Hepatitis-D-Virus wird parenteral, sexuell oder perinatal durch Kontakt mit infiziertem Blut oder Körperflüssigkeiten übertragen, etwa bei Benutzung kontaminierter Nadeln bei Drogengebrauchenden, bei Geschlechtsverkehr, Bluttransfusionen vor 1991, bei Tätowieren oder Piercen mit einer infizierten Kanüle.7 Mütter können HDV während der Geburt auf das Kind übertragen.7 Die Mutterschaftsrichtlinien sehen vor, alle Schwangeren nach der 32. SSW auf Hepatitis B zu screenen.50 Bei positivem Befund ist eine anschließende Testung auf Hepatitis D obligat. Wichtig ist, dass Neugeborene von HBV-/HDV-posititven Müttern unmittelbar nach der Geburt gegen Hepatitis B geimpft werden. Für weitere Informationen, auch zu den Risikogruppen — siehe Hepatitis B.

Symptome

 

Wie bei der Hepatitis B sind die Symptome einer Hepatitis-D-Virusinfektion anfangs recht unspezifisch. Es können in der Frühphase Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen und Fieber auftreten. Einige Tage später kann eine ikterische Phase folgen. Dabei verfärbt sich der Urin dunkel und ein Ikterus tritt auf. Dieser erreicht seinen Höhepunkt nach 1 bis 2 Wochen und blasst dann innerhalb von 2 bis 4 Wochen wieder ab.7 Da sich die Symptome so unspezifisch manifestieren und manchmal sogar ganz ausbleiben, wissen viele nicht um ihre Erkrankung, sodass die Infektion weiter voranschreitet und die Leber zunehmend geschädigt wird. Das Risiko für einen fulminanten Verlauf ist bei einer Superinfektion deutlich erhöht.48 Eine Koinfektion von Hepatitis B mit Hepatitis D kann unbehandelt zur Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen.51 In diesem Stadium stellt die Lebertransplantation oft den einzigen Ausweg dar.47

Screening und Diagnose

 

Am Anfang der Diagnose steht die Anamnese. Es gilt, den möglichen Inkubationszeitraum genau abzufragen, wozu auch kürzlich unternommene Reisen und das Risikoprofil (s. Hepatitis B) zählen. Da die Dunkelziffer nicht erkannter Hepatitis-B-Virusinfektionen und somit die Gefahr einer Koinfektion mit Hepatitis D vermutlich viel höher ist als Zahlen zur Epidemiolgie widerspiegeln, können sich seit Oktober 2021 gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren im Rahmen des Präventionsprogramms Gesundheitsuntersuchung einmalig auf Hepatitis B und C screenen lassen. Bei bestätigter Hepatitis-B-Virusinfektion sollte unbedingt auch auf Hepatitis D getestet werden.15 Das Screening auf Hepatitis D folgt dabei einem zweistufigen Schema: Im ersten Schritt werden Anti-HDV-Antikörper bestimmt; da es bei positivem Befund aber nicht klar ist, ob eine ausgeheilte oder aktive Hepatitis-D-Virusinfektion vorliegt, muss im zweiten Schritt mittels PCR die HDV-RNA bestimmt werden.15

Therapie

 

Nachdem jahrelang pegyliertes Interferon alfa (PEG-IFN) gegen Hepatitis D eingesetzt wurde, gibt es jetzt neue therapeutische Ansatzpunkte. Seit Juli 2020 ist in Deutschland erstmals ein Arzneimittel speziell für die Therapie der Hepatitis D bedingt zugelassen und verfügbar.45 Es handelt sich um ein antivirales Arzneimittel aus der Gruppe der Entry-Inhibitoren, das den Eintritt der Viren in die Hepatozyten blockiert, indem es spezifisch an Natriumtaurocholat-C-Transporter-Polypeptid (NTCP) bindet – einen hepatischen Gallensalz-Transporter der Leber, der als essentieller HBV/HDV-Eingangsrezeptor fungiert, bindet und diesen inaktiviert. Der Viruseintritt in die Zelle wird damit verhindert, die Viruslast gesenkt und die Ausbreitung der Infektion eingedämmt. Infizierte Hepatozyten werden eliminiert, nicht infizierte und neu gebildete Hepatozyten vor einer Neu- bzw. Reinfektion geschützt.45

Prävention

 

Wirksamster Schutz vor Hepatitis D ist die Impfung gegen Hepatitis B.46 Weitere Maßnahmen, um das Infektionsrisiko zu senken — siehe Hepatitis B.

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