Hepatitis C

 

Die chronische Lebererkrankung lässt sich heute in nahezu alle Fällen heilen. Als große Herausforderung bleibt, infizierte Menschen zu diagnostizieren.

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Die chronische Lebererkrankung lässt sich heute in nahezu alle Fällen heilen. Als große Herausforderung bleibt, infizierte Menschen zu diagnostizieren.

Epidemiologie und Verlauf

 

Rund 100.000 HCV-infizierte Menschen in Deutschland sind nicht diagnostiziert und auch von jenen mit bekannter Infektion haben längst
nicht alle Zugang zu einer Behandlung.12

Ihnen drohen fortschreitende Leberschäden bis hin zum Leberzellkrebs.16

ZAHLEN & FAKTEN

In Deutschland sind schätzungsweise 250.000 Menschen chronisch mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert, 100.000 ohne es zu wissen.12
Unerkannt – und damit unbehandelt – kann die Erkrankung jedoch einen schweren, potenziell lebensbedrohlichen Verlauf nehmen: Von 100 Patienten mit chronischer Hepatitis C entwickeln 15 bis 30 innerhalb von 20 Jahren eine Zirrhose, und von 100 Patienten mit einer Zirrhose erkranken pro Jahr 2 bis 4 an einem Leberzellkrebs.16

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Abgesehen davon kann die Erkrankung mit extrahepatischen Manifestationen einhergehen, die für die Betroffenen sehr belastend sind.8 Und schließlich werden die Patienten oft stigmatisiert und sind gesellschaftlichen Benachteiligungen ausgesetzt12 – Umstände, die die Lebensqualität zusätzlich einschränken.

Übertragungswege und Risikogruppen

 

Hepatitis-C-Viren werden in Deutschland wahrscheinlich überwiegend durch intravenösen Drogenkonsum übertragen. Daneben spielen auch der Erhalt von Blutprodukten vor 1992, Sex zwischen Männern sowie heterosexueller Kontakt mit infizierten Partnern eine Rolle.13

Das Hepatitis-C-Virus wird in erster Linie durch Blut-zu-Blut-Kontakt übertragen. Aktuell ist der Transmissionsweg in Deutschland bei 78 Prozent der gemeldeten Fälle unbekannt.13 Bei den Fällen, in denen der Transmissionsweg nachvollziehbar war, erfolgte die Ansteckung in rund drei Viertel aller Fälle durch intravenösen Drogenkonsum.13

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Als Gruppen mit erhöhtem Risiko für eine HCV-Infektion und großer Bedeutung für die HCV- Transmission gelten daher insbesondere:13

  • Menschen mit aktuellem oder ehemaligem intravenösem Drogenkonsum
  • Migranten aus Herkunftsländern mit hoher HCV-Prävalenz
  • Männer, die Sex mit Männern haben
  • Insassen von Justizvollzugsanstalten

Screening und Diagnosestellung

 

Viele HCV-infizierte Menschen sind nicht diagnostiziert, unter anderem weil die Erkrankung unauffällig verlaufen kann und etwaige Symptome unspezifisch sind. Ein Screening auf Anti-HCV-Antikörper ist daher vor allem bei Menschen mit erhöhtem Hepatitis-C-Risiko sinnvoll.11

Die chronische HCV-Infektion verläuft häufig klinisch unauffällig. Symptome, die auf die Erkrankung hinweisen können, sind Müdigkeit, unspezifische Oberbauchbeschwerden, Leistungsschwäche, daneben auch Juckreiz und Gelenkbeschwerden.8 Auch subklinische kognitive
Störungen, eine psychomotorische Verlangsamung und depressive Symptome können auftreten, die Lebensqualität ist reduziert.11

Bei Verdacht auf eine HCV-Infektion sollte unbedingt ein Test auf Anti-HCV-Antikörper durchgeführt werden.8 Die Sensitivität von Tests der dritten Generation wird auf 98 Prozent geschätzt, die Spezifität in Risikogruppen bei nahezu 100 Prozent.11 Ein positives Testresultat soll zur Sicherung der Diagnose durch einen HCV-RNA-Nachweis bestätigt werden.11

Wichtig: Bei immunkompromittierten Personen soll parallel zum Antikörpernachweis eine HCV-RNA-Bestimmung erfolgen, da bei diesen Anti-HCV-Antikörper fehlen können. Bei Verdacht auf eine akute HCV-Infektion bzw. HCV-Reinfektion sowie zum Ausschluss einer Mutter-Kind-Transmission soll der Nachweis direkt durch die Bestimmung der HCV-RNA erfolgen.11

Die DGVS empfiehlt in ihrer aktuellen Leitlinie ein HCV-Screening bei:11

  • Personen mit erhöhten Aminotransferase-Aktivitäten und/oder klinischen Zeichen einer Hepatitis bzw. chronischen Lebererkrankungen oder HCC
  • Empfängern von Blut und Blutprodukten (vor 1992)
  • Transplantatempfängern (vor 1992)
  • Hämodialyse-Patienten
  • aktiven und ehemaligen i. v./nasal Drogengebrauchern
  • Insassen von Justizvollzugsanstalten
  • Personen, die Tätowierungen oder Piercings tragen
  • HIV- und/oder HBV-Infizierten
  • Haushaltsangehörigen bzw. Sexualpartnern HCV-Infizierter
  • Patienten mit Hochrisiko-Sexual-Praktiken und sexuell übertragbaren Infektionen
  • Kindern von HCV-infizierten Müttern
  • Personen mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter HCV-Infektionsrate
  • Personen mit beruflich bedingtem Infektionsrisiko
  • Blut-, Organ- und Gewebespendern

Therapie

 

Dank moderner direkt antiviraler Arzneimittel (DAA) können heute nahezu alle Patienten mit einer chronischen HCV-Infektion geheilt werden.11 Die Indikation zur Therapie ist mit dem Nachweis einer chronischen HCV-Infektion gegeben und nicht an weitere Voraussetzungen gebunden.11

Die Therapie der chronischen HCV-Infektion eröffnet Patientinnen und Patienten die Chance auf ein gesundes, aktives Leben:

  • sie kann den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern17
  • sie kann das Risiko für Fibrose, Zirrhose, Leberzellkrebs und Leberversagen senken18
  • nach einer Heilung kann sich die Lebenserwartung der Patienten normalisieren19, zudem geht von geheilten Patienten kein Übertragungsrisiko mehr aus

Die chronische HCV-Infektion gilt als geheilt, wenn die HCV-RNA zwölf Wochen nach Therapieende unterhalb der Nachweisgrenze liegt (anhaltendes virologisches Ansprechen bzw. sustained virologic response, SVR12).11 Die derzeit verfügbaren DAA erzielten in über 95 Prozent aller HCV-Infektionen eine SVR1211 – bei einer Therapiedauer von meistens acht bis zwölf Wochen. Für Patienten, die keine SVR12 nach Ersttherapie erreicht haben, gibt es mittlerweile weitere Therapiemöglichkeiten, die ebenfalls mit einer sehr hohen Heilungswahrscheinlichkeit einhergehen.20 Prinzipiell sollte jeder Patient mit chronischer HCV-Infektion eine Therapie mit DAA angeboten bekommen. Das Ausmaß des Leberschadens oder der Nachweis einer Transaminasen-Erhöhung sind für die Indikation zur Behandlung nicht erforderlich.11 Die Bestimmung des HCV-Genotyps kann je nach DAA-Regime für die Therapieplanung wichtig sein.

Therapie bei Drogengebrauchern

 

Drogengebraucher sind einem besonders hohen Risiko für HCV-Infektionen ausgesetzt.11 Der einfache Zugang zum Screening und zur Therapie ist für sie besonders wichtig. Studiendaten deuten darauf hin, dass die Heilungsraten in dieser Gruppe vergleichbar hoch sind wie bei Patienten ohne Drogengebrauch.23

Drogengebraucher haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine HCV-Infektion, vor allem, wenn sie intravenös konsumieren.11 In diesem
Kollektiv lag die Prävalenz für Anti-HCV-Antikörper in einem Review europäischer Studien zwischen 53 und 97 Prozent.11 In Deutschland
entfielen in den vergangenen Jahren jeweils rund 75 Prozent der neu gemeldeten Infektionen mit bekanntem Übertragungsweg auf
intravenös Drogenkonsumierende.13,21,22

Eine Drogenabhängigkeit stellt keine Kontraindikation für eine Therapie dar.11 Die bisher verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Behandlung mit DAA im Kollektiv der Drogengebraucher zu vergleichbaren Heilungsraten führt, wie bei Patienten ohne Drogengebrauch –
und dies selbst dann, wenn Patienten während der Therapie konsumieren.23 Andere Daten zeigen, dass die Therapietreue den Behandlungserfolg beeinflussen kann und sich eine Substitutionstherapie durch die engmaschige Betreuung positiv auswirkt.11 Besonders effizient lassen sich HCV-Infektionen eindämmen, wenn Gruppen mit hoher Prävalenz wie Drogengebrauchende konsequent diagnostiziert
und therapiert werden (Treatment as Prevention).24

Prävention

 

Präventive Maßnahmen zielen bei der HCV-Infektion darauf ab, den Kontakt mit kontaminiertem Blut zu vermeiden. Besonders wichtig und zugleich effektiv sind sie in Kollektiven mit hoher HCV-Prävalenz, wie beispielsweise Drogengebrauchern.25 Dort kann auch die Behandlung erheblich zur Prävention beitragen.24

Um einer Ansteckung vorzubeugen empfiehlt die WHO auf Hygienemaßnahmen zu achten, mit gebrauchten Medizinprodukten und potenziell kontaminiertem Material vorsichtig umzugehen, Blutprodukte zu testen und Kondome zu verwenden.26 Im Sinne einer Sekundär- und Tertiärprävention sollten möglicherweise infizierte Personen getestet werden, um sie so frühestmöglich zu diagnostizieren.25,26 Infizierte sollten gegen Hepatitis A und B geimpft werden, um eine zusätzliche Belastung der Leber zu vermeiden, sowie eine antivirale Therapie erhalten.26

Unter Drogengebrauchern ist die HCV-Infektion weit verbreitet, in 13 westeuropäischen Ländern – darunter in Deutschland – weisen über 60 Prozent der intravenös konsumierenden Menschen HCV-Antikörper auf.27 In diesem Kollektiv sind daher auch Präventionsmaßnahmen sinnvoll, darunter Maßnahmen der ‚Harm reduction‘, wie die Einrichtung von Drogenkonsumräumen, die Ausgabe steriler Injektionsbestecke und die Aufklärung über deren sicheren Gebrauch.24,26 Als hilfreich hat sich auch die Substitutionstherapie erwiesen, da sie den Zugang zur Versorgung und die Compliance verbessern kann.24 Und schließlich kann auch die Behandlung infizierter Drogengebraucher zur Senkung des Transmissionsrisikos und der HCV-Prävalenz beitragen (Treatment as Prevention).24,28,29

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