Für die Praxis

 

Leichter Einstieg in die Hepatitis-Versorgung

Leichter Einstieg in die Hepatitis-Versorgung

Das wichtigste: Patienten identifizieren

 

Hausärzte, Allgemeinmediziner, Internisten, Suchtmediziner und Infektiologen können viel dafür tun, dass Menschen mit nicht erkannter HBV- oder HCV-Infektion diagnostiziert werden und Zugang zu einer Behandlung erhalten. Die Identifikation der Patienten ist zugleich der erste Schritt, um die beiden Virushepatitiden weitgehend aus der Bevölkerung zu eliminieren. Erfahren Sie hier, wie Sie dazu vorgehen können:

Informieren Sie Ihre Praxisbesucher niedrigschwellig über die chronische
Hepatitis B und C:

  • Sie können das Thema beispielsweise im Rahmen von Gesundheitsuntersuchungen ansprechen
  • Sie können Poster aufhängen und Flyer in Ihrer Praxis auslegen, die Sie bei der Initiative pro Leber kostenlos erhalten

Entwickeln Sie ein Bewusstsein für Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine HBV- oder HCV-Infektion:11,15

Zu den Personengruppen mit erhöhtem Risiko zählen vor allem

  • Menschen mit erhöhten Leberwerten
  • Menschen mit aktuellem oder ehemaligem intravenösem Drogenkonsum
  • Substitutionspatienten
  • Migranten aus Herkunftsländern mit hoher HBV-/HCV-Prävalenz
  • Männer, die Sex mit Männern haben
  • Ehemals inhaftierte Menschen

Fragen Sie in der Anamnese nach Situationen mit einem erhöhten Übertragungsrisiko. Dazu zählen insbesondere7,8,9

  • der gemeinsame Gebrauch von kontaminiertem Drogenbesteck
  • ungeschützte Sexualkontakte
  • medizinische Eingriffe oder Tätowierung unter möglicherweise unhygienischen Bedingungen
  • Transfusion von Blut oder Blutprodukten (HBV; HCV vor 1992)
  • die gemeinsame Verwendung von kontaminierten Gegenständen, etwa in einer Wohngemeinschaft (in erster Linie HBV)

Testen Sie Angehörige der Risikogruppen sowie Personen aus der Allgemeinbevölkerung, die sich mit Zeichen oder Symptomen einer HBV-/HCV-Infektion vorstellen:

HBV-Infektion

Komplexere serologische Untersuchungen zur Unterscheidung zwischen Impfstatus, akuter und chronischer HBV-Infektion; die Diagnose einer chronischen HBV-Infektion erfordert den Nachweis von HBsAg und Anti-HBc (gesamt) sowie HBV-DNA (quantitativ) und zur besseren Einordnung der Infektion zusätzlich Anti-HBe/HBeAg sowie Anti-HBs.7

HCV-Infektion

Einfacher Schnelltest auf HCV-Antikörper im Blut; Bestätigung durch einen weiteren Test auf HCV-RNA notwendig.8

Informieren Sie Patienten mit bestätigter chronischer HBV-/HCV-Infektion über die Folgen dieser Diagnose:

HBV-Infektion

  • Risiko für Leberschäden bis hin zu Zirrhose und Leberzellkrebs7,8
  • Ansteckungsgefahr für andere Menschen

Indikation zur Behandlung bei vorliegender Diagnose, wenn zusätzlich die Viruslast über 2.000 IU/ml liegt und wiederholt erhöhte Transaminasen-Aktivität im Serum gemessen wurde oder ein fortgeschrittener Leberschaden vorliegt oder eine Immunsuppression notwendig ist oder eine Schwangerschaft vorliegt und eine Ansteckungsgefahr für das Kind besteht oder wenn extrahepatische Komplikationen vorliegen oder wenn berufliche oder soziale Aspekte für die Therapie sprechen.14

Zeitlich begrenzte interferonbasierte Therapie oder zeitlich nicht limitierte Behandlung mit direkt antiviralen Arzneimitteln und Aussicht auf eine Unterdrückung der Virusvermehrung;7 keine Ansteckungsgefahr für andere, wenn Viren nicht mehr nachweisbar sind.

Die Therapie mit Interferon und direkt antiviralen Arzneimitteln kann zu einer funktionellen Heilung bzw. einer Hemmung der Virusvermehrung führen.40 Damit gehen einher, eine verbesserte Leberfunktion, eine verbesserte Prognose bei Leberschäden40 bis hin zur dekompensierten Zirrhose41, eine reduzierte Inzidenz von Leberzellkrebs sowie ein reduziertes Risiko für eine perinatale Übertragung bei Schwangeren42. Auch die physische Funktionsfähigkeit kann sich unter antiviraler Therapie bessern.43

Regelmäßige Kontrolle der HBV-DNA alle drei bis sechs Monate, um den Therapieerfolg zu prüfen und Resistenzen rechtzeitig zu erkennen.7

HCV-Infektion

  • Risiko für Leberschäden bis hin zu Zirrhose und Leberzellkrebs7,8
  • Ansteckungsgefahr für andere Menschen

Indikation zur Behandlung sobald die Diagnose chronische HCV-Infektion gestellt ist; weitere Bedingungen müssen nicht erfüllt sein.11

Sehr gute Behandlungsmöglichkeiten durch eine meist nur zwei bis drei Monate dauernde interferonfreie Therapie mit direkt antiviralen Arzneimitteln und Heilungsraten über 95 Prozent sowie gute Retherapiemöglichkeiten bei Nichtansprechen auf eine DAA-haltige Vortherapie.11,20

Anhaltendes virales Ansprechen durch die Therapie in den allermeisten Fällen, potenzielle Effekte sind eine Reduktion der Sterblichkeit, ein Progressionsstop oder eine Rückführung von Leberschäden wie Fibrose und kompensierte Zirrhose sowie eine Verbesserung extrahepatischer Manifestationen und der Lebensqualität.44

Risiko der Reinfektion nach einer Heilung, Notwendigkeit der Expositionsprophylaxe in Risikogruppen.

Behandeln Sie selbst oder überweisen Sie Patienten zum Spezialisten

Die antivirale Therapie der chronischen Hepatitis B und C wird vor allem von Gastroenterologen, Hepatologen und Infektiologen angeboten. Aber auch Allgemeinmediziner engagieren sich zunehmend auf diesem Gebiet. Dies gilt vor allem für die Behandlung der chronischen Hepatitis-C-Virusinfektion, die heute einfach durchzuführen und gut verträglich ist und in den allermeisten Fällen zu einer Heilung führt.

Auch im Rahmen einer suchtmedizinischen Behandlung ist eine antivirale Hepatitis-Behandlung sehr sinnvoll. Suchtmedizinisch tätige Ärzte haben unmittelbaren und zumindest im Falle einer Substitutionstherapie kontinuierlichen Kontakt zu drogengebrauchenden Menschen, einer der wichtigsten Risikogruppen für die HBV- und HCV-Infektionen. Suchtmediziner können daher viel dazu beitragen, die Zahl der nicht diagnostizierten Patienten, die Prävalenz viraler Hepatitiden und das Risiko für Re- und Neuinfektionen zu senken.

Ärzte, die selbst nicht behandeln, sollten sich mit behandelnden Ärzten vernetzen und Patienten mit einer Hepatitis-B- oder -C-Diagnose rasch in Therapie bringen.

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Über uns

Die Initiative pro Leber ist eine Kooperation der Deutschen Leberstiftung, der Deutschen Leberhilfe e.V. und des Unternehmens Gilead Sciences GmbH. Die Partner eint das Ziel, Lebererkrankungen vorzubeugen bzw. sie frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln.