Eliminationsziele 2030

 

Geht es nach der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Bundesregierung, wird die chronische Hepatitis B/C ab dem Jahr 2030 keine gößere gesundheitliche Bedrohung mehr darstellen.

Geht es nach der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Bundesregierung, wird die chronische Hepatitis B/C ab dem Jahr 2030 keine gößere gesundheitliche Bedrohung mehr darstellen.

WHO und Bundesregierung sagen der Hepatitis B und C den Kampf an

 

2016 konstatierte die WHO, dass die virale Hepatitis in ihrer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit weitgehend unbeachtet geblieben ist, und gab das Ziel aus, die Hepatitis B und C bis 2030 zu eliminieren.30,31 Um es zu erreichen, benannte die Organisation fünf Handlungsfelder, in denen Verbesserungen dringend notwendig seien:30

  • Impfung gegen die Hepatitis B: Erhöhung der Impfquote für eine vollständige Immunisierung bei Kindern
  • Prävention der HBV-Transmission von der Mutter auf das Kind: Erhöhung der Impfquote für die erste HBV-Impfdosis bei Neugeborenen, deren Mütter eine chronische HBV-Infektion haben
  • Sicherheit von Blut(produkten) und deren sichere Verabreichung: intensivere Testung von Blut(produkten) und Sterilisierung von Injektionshilfen mit Mehrfachverwendung
  • Maßnahmen zur Schadensbegrenzung (‚harm reduction‘) bei Drogengebrauchern: Ausgabe von 300 Injektionsnadeln pro Jahr und Person mit intravenösem Drogengebrauch
  • Identifikation nicht diagnostizierter Menschen mit HBV-/HCV-Infektion und deren Behandlung: Erhöhung der Diagnose- und Therapierate

Was bis 2030 in diesen Handlungsfeldern weltweit erreicht werden soll, zeigt die folgende Grafik:

Bis 2030 soll die Zahl der HBV-/HCV-Neuinfektionen dadurch um 90 Prozent sinken, die Zahl der Todesfälle durch eine chronische HBV-/HCV-Infektion um 65 Prozent.

Ähnlich wie die WHO hat auch die Bundesregierung die Bekämpfung der Hepatitis B und C auf die Agenda gesetzt. Sie fordert in einem Strategiepapier, sexuell übertragbare Infektionen – darunter die Hepatitis B und C – bis 2030 nachhaltig einzudämmen.33

Maßnahmen ergreifen, wo sie am effizientesten sind – die Strategie der HCV-Mikroelimination

 

Die gesamtgesellschaftliche Elimination ansteckender Erkrankungen stellt für viele Gesundheitssysteme eine große Herausforderung dar und ist je nach der Verfügbarkeit der Ressourcen auch gar nicht leistbar. Im Falle der HCV-Infektion konzentrieren sich die höchste Prävalenz und die höchste Zahl an Neuinfektionen jedoch auf bestimmte Bevölkerungsgruppen. Eine Elimination bei ihnen – die so genannte Mikroelimination – kann daher trotz begrenztem Ressourceneinsatz einen erheblichen Effekt auf die Prävalenz und Inzidenz der HCV-Infektion insgesamt haben. 2017 schlug die European Association for the Study of the Liver EASL daher vor, HCV-Eliminationsziele für folgende Bevölkerungsgruppen zu etablieren:34

  • bestimmte indigene Bevölkerungsteile mit hoher Prävalenz (z.B. in Australien, den USA und Kanada)
  • Geburtskohorten mit hoher Prävalenz
  • Kinder HCV-infizierter Mütter
  • Hämodialyse-Patienten
  • HIV/HCV-koinfizierte Menschen
  • Migranten aus Ländern mit hoher HCV-Prävalenz
  • Menschen mit intravenösem Drogenkonsum
  • Menschen mit Hämophilie oder anderen erblichen Blutkrankheiten
  • Haftinsassen
  • Transplantatempfänger

Menschen mit intravenösem Drogenkonsum sind häufig mit HCV infiziert. In Deutschland weisen 75 Prozent von ihnen HCV-Antikörper auf27, ihr Anteil an den jährlichen Neuinfektionen beträgt ebenfalls rund 75 Prozent13. In Island konnte in diesem Kollektiv die Prävalenz sehr rasch gesenkt werden und fiel in einer Suchtklinik von 42,6 Prozent in 2015 auf 11,6 Prozent in 2017, was einer signifikanten relativen Reduktion um 73 Prozent entspricht (p<0,001).35 Erfahrungen aus den Niederlanden deuten zudem darauf hin, dass eine HCV-Elimination nur dann gelingen kann, wenn Risikogruppen wie Drogengebraucher und Migranten mit HCV-Infektion besser an die Versorgung angebunden werden.36 Nach Ansicht von Experten hat die Mikroelimination damit das Potenzial, als eine Art Katalysator für die gesamtgesellschaftliche Elimination der HCV-Infektion zu wirken.36

Monitoring der Hepatitis-C-Elimination: Deutschland läuft Gefahr, nationale und internationale Ziele zu verfehlen

 

Um die Eliminationsziele der WHO zu erreichen, müssen jährlich 7 Prozent der infizierten Bevölkerung behandelt werden.37 Während Deutschland diese Therapierate 2016 noch erreichte, war dies 2017 nicht mehr der Fall38,39 – wir laufen Gefahr, bei der Elimination den Anschluss zu verlieren.

Die Initiative pro Leber wünscht sich dringend, dass Deutschland wieder auf den Weg zur Elimination zurückfindet. Dazu bedarf es aus
unserer Sicht Dreierlei:

Aufklären und Awareness erhöhen

  • Wissen und Bewusstsein in Risikokollektiven und in der Allgemeinbevölkerung fördern
  • Engagement und (Verantwortungs-)Bewusstsein vor allem bei Hausärzten und Suchtmedizinern erhöhen

Leitliniengerecht screenen/diagnostizieren

  • Leberwerte messen, erhöhte Werte immer abklären (gegebenenfalls Überweisung an Spezialisten)
  • spezifische HCV-Diagnostik insbesondere bei Risikogruppen

Leitliniengerecht therapieren

  • Jeder Patient mit einer chronischen HCV-Infektion hat das Recht auf eine Therapie

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